Zehn Inhaberinnen unabhängiger Buchhandlungen beim 9. Treffen der #StarkenUnternehmerinnen in Peiting vor blauem Himmel und Bergpanorama.

#StarkeUnternehmerinnen26 – für die Buchhandlung am Ort

#StarkeUnternehmerinnen26 - Damit die Buchhandlung am Ort bleibt

Bilderbuchwetter: bayerisch blauer Himmel mit strahlender Sonne und die Berge zum Greifen nah. Starke Unternehmerinnen folgten der Einladung von Gastgeberin Stefanie Bertram-Kempf - Buch am Bach. Doch die Fragen, die zehn Buchhändlerinnen nach Peiting mitbringen, sind weniger idyllisch: Welche Öffnungszeiten kann das Team noch tragen? Welche Fläche verdient Geld? Und welche Kulturveranstaltung ist wertvoll, aber wirtschaftlich nicht länger finanzierbar?

Unternehmen "Buchhandlung"

Unabhängige Buchhandlungen gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Bild einer lebendigen Innenstadt. Sie öffnen morgens, beraten persönlich, bestellen Bücher über Nacht und veranstalten am Abend eine Lesung. Was leicht und selbstverständlich aussieht, ist das Ergebnis täglicher unternehmerischer Arbeit.

Diese Arbeit findet unter anspruchsvollen Bedingungen statt: Manche Innenstädte melden SOS in Bezug auf Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Deutsche zählen im europäischen Vergleich zu eher zu den Lesemuffeln. Gerade mal 31 % haben in den letzten 12 Monaten einen gedruckten Roman oder ein Sachbuch aufgeschlagen. Forschungen zeigen, dass zum einen Lesen schlau macht und einen Beitrag leistet zu Longevity. Der deutsche Buchmarkt erzielte 2025 einen Umsatz von 9,62 Milliarden Euro – 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr; dabei verlor der stationäre Sortimentsbuchhandel 3,7 %. Mit einem Marktanteil von 40,8 Prozent bleibt er zwar der größte einzelne Vertriebsweg für Bücher. Aber: Weniger Buchkäuferinnen und Buchkäufer, steigende Kosten und belastete Innenstädte treffen kleine Buchhandlungen unmittelbar. Sie können schwache Frequenz, zusätzliche Bürokratie oder eine fehlerhafte Investition nicht im Filialverbund ausgleichen.

Beim 9. Treffen der #StarkenUnternehmerinnen stand im Fokus, wie Buchhandlungen wirtschaftlich tragfähige Unternehmen und lebendige Orte in unseren Städten und Gemeinden bleiben können? Welche Produkte verdienen ihren Platz im Laden? Wie produktiv arbeitet die Fläche wirklich? Passen die Öffnungszeiten noch zur Kundenfrequenz? Welche Veranstaltungen tragen sich wirtschaftlich? Wie lassen sich Mitarbeiterinnen ans Unternehmen binden? Wann erleichtert eine neue Software (z.B. technische Abwicklung von Bücherschecks) tatsächlich die Arbeit – statt nur neue Arbeit zu produzieren?

5 Fragen an einen Laden mit Zukunft:

Perspektive Transferfrage
Kundschaft Welche Menschen erreichen wir heute - und welche nicht mehr?
Angebot Welche Produkte, Dienstleistungen und Veranstaltungen stärken Profil und Ertrag?
Fläche & Zeit Welche Quadratmeter und Öffnungsstunden leisten tatsächlich einen Beitrag?
Team Welche Arbeit hängt dauerhaft an einzelnen Personen oder an der Inhaberin?
Standort Welche Funktion übernimmt unser Unternehmen für Stadt, Gemeinde und Nachbarschaft?

Kulturarbeit ist Arbeit

Unabhängige Buchhandlungen verkaufen mehr als nur Bücher. Sie kuratieren Sortimente, entdecken Autorinnen und Autoren, organisieren Lesungen und bringen Literatur zu Menschen, die nicht jede Neuerscheinung bereits über Social Media kennen.

Die Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas, Bibliotheken, Vereinen und Kulturschaffenden steht im Vordergrund. Independant Buchhandlungen veranstalten Vorlesestunden, Buchpremieren - außerhalb des Mainstreams, Diskussionsabende, Tastings und Salonlesungen. Sie beraten Eltern, Großeltern, Pädagoginnen und Kinder. Und sie schaffen Räume, in denen gesellschaftliche Fragen verhandelt werden können.

Der Bund erkennt diese Funktion ausdrücklich an: Der Deutsche Buchhandlungspreis würdigt jährlich rund 100 unabhängige Buchhandlungen für ihr besonderes literarisches Sortiment, ihr kulturelles Engagement, ihre kreativen Ideen und ihren Beitrag zur Lese- und Literaturförderung (z.B. Akzente - Bücher & Wein | Kirchzartener Bücherstube) . Diese Arbeit wird dringend gebraucht, denn fehlende Lesekompetenz mündet in fehlende Karrierechancen. Rund 20 % der Erwachsenen zwischen 16 bis 65 Jahren in Deutschland können nur schlecht lesen und schreiben. Das entspricht etwa 10,6 Millionen Menschen (vgl. Stiftung Lesen). Buchhandlungen können bildungspolitische und gesellschaftliche Versäumnisse nicht auffangen. Allerdings sie können Zugänge schaffen zu Geschichten, Wissen, Sprache und Begegnung. Beispielsweise im Escape-Room bei Kindlers 1872, mit dem Leseclub der Buchhandlung Augustiniok, bei der Silent Reading Party im Buchladen im Langhaus oder bei einer Lesung im LeseLaden. Ein Qualitätsmerkmal ist auch die Auszeichnung mit der  LeseEule BAWÜ 2025/2026 (etwa Lieblingsbuch-Laden, Kirchzartener Bücherstube, Buchhandlung Merkel).

Diese Art von Kulturarbeit ist kein romantischer Zusatz zum eigentlichen Geschäft. Sie gehört zum gesellschaftlichen Wert unabhängiger Buchhandlungen. Die Auszeichnung ist sichtbar. Die Vorarbeiten dazu - Kuratieren des Sortiments, der Veranstaltungen, die Abstimmung mit dem Verlag, der Kartenverkauf, die Werbung, die Buchbestellung und das Aufräumen danach bleiben es meistens nicht.

Workflow einer Buchveranstaltung mit den drei Phasen Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung sowie den jeweils anfallenden Aufgaben.
Die sichtbare Veranstaltung ist nur die Mitte des Arbeitsprozesses. Vorbereitung und Nachbereitung binden ebenfalls Zeit und Personal. Erstellt mit ChatGPT

Fazit: Nicht jede Veranstaltung muss unmittelbar Gewinn erzielen. Aber jede sollte einen geklärten Auftrag haben.

Starke Unternehmerinnen

Die Branche ist weiblich!  Frauen arbeiten mit Büchern, kaufen und lesen sie häufiger. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verbringen Frauen und Mädchen durchschnittlich 30 Minuten täglich mit Lesen. Männer und Jungen 24 Minuten.

Als Unternehmerinnen sind Frauen dennoch unterrepräsentiert. 2024 liegt der Frauenanteil bei Selbständigen mit Beschäftigten bei nur 24 % (vgl. Statistisches Bundesamt StBA)

In einer unabhängigen Buchhandlung liegen Geschäftsführung, Einkauf, Personal, Marketing und Kulturarbeit häufig nur wenige Schritte voneinander entfernt – manchmal sogar auf demselben Schreibtisch. Das macht Entscheidungen schnell. Es macht sie aber auch persönlich und wirtschaftlich folgenreich. Die #StarkenUnternehmerinnen führen Unternehmen, tragen Risiken, sichern Arbeitsplätze und erhalten wichtige Kulturorte. Stark heißt hier nicht: immer eine Antwort haben. Stark heißt, eine schwache Warengruppe nicht schönzureden, die eigene Überlastung nicht mit Leidenschaft zu verwechseln und eine Entscheidung zu verändern, wenn die besseren Argumente auf dem Tisch liegen.

Kurz: #StarkeUnternehmerinnen tragen Verantwortung, sind entscheidungsfreudig und zeichnen sich aus durch eine hohe Lernkompetenz.

Gemeinsam klüger nachdenken

Ein Unternehmen zu führen, kann einsam machen. Denn gegenüber Mitarbeitenden, Kundschaft, Banken, Lieferanten und Geschäftspartnern sollen Unternehmerinnen Orientierung und Sicherheit ausstrahlen. Doch wohin mit den unfertigen Gedanken oder auch Gedankenwirrwarr? Wo kann eine Unternehmerin sagen, dass eine Entscheidung nicht funktioniert hat? Dass sie bei einer Investition unsicher ist? Wie spricht sie darüber, wenn eine beliebte Veranstaltung viel Arbeit macht, aber kaum Ertrag bringt? Wem kann sie anvertrauen, dass die Öffnungszeiten das Team belasten? Und mit wem kann sie eine Zukunftsfrage ihres Unternehmens durchdenken, auf die sie selbst noch keine Antwort hat?

Dafür braucht es einen geschützten Raum.

Die #StarkenUnternehmerinnen sind keine Erfa-Gruppe, eher eine Learning-Circle. Hier werden Fragen diskutiert, die Außenstehende leicht übersehen. Es geht um Mitarbeiterführung, Prozessoptimierungen, Einkaufskonditionen und finanzielle Vorsorge. Am Tisch sitzen Frauen, die Personalverantwortung tragen, Rechnungen bezahlen und für ihre Entscheidungen mit Haut und Haar haften. Hier muss eine Unternehmerin nicht erst erklären, wie es sich anfühlt, wenn jede Entscheidung am Ende bei ihr landet.

Die #StarkenUnternehmerinnen arbeiten als Brain Trust: als vertrauliche Feedback-Gruppe, in der unternehmerische Fragen nicht vorschnell beantwortet, sondern gemeinsam klüger durchdacht werden. Sicher: die Community ersetzt keine unternehmerische Entscheidung. Sie verbessert aber die Grundlage, auf der sie getroffen wird.

Der Aufrichtigkeits-Check

In dieser Community können Beobachtungen, Zweifel und wirtschaftliche Realitäten angesprochen werden – gerade dann, wenn sie unbequem sind. Wo geht das sonst? Mach´ den Test:

  • Benenne die Entscheidung, die gerade ansteht und nicht getroffen wird
  • Notiere die Annahme, auf der der bisherige Kurs beruht
  • Suche eine Zahl, die diese Annahme bestätigt oder widerlegt
  • Bitte eine Unternehmerin um ein Feedback - auch wenn es weh tut
  • Lege den nächsten überprüfbaren Schritt fest

Eine solche Offenheit braucht Vertrauen. Psychologische Sicherheit bedeutet nicht, dass sich jede Antwort angenehm anfühlt. Sie ermöglicht es, Zweifel, Fehler und Widerspruch anzusprechen, ohne die Professionalität der Unternehmerin infrage zu stellen.

In einem guten Netzwerk bekommt eine Unternehmerin Unterstützung. In einer guten Community mit viel Brain Trust bekommt sie zusätzlich wertschätzenden Widerspruch.

Aufrichtigkeits-Check: Wähle eine der folgenden Fragen aus und besprich´ sie mit einer Person, die verständnisvoll genug für Offenheit und unabhängig genug für Widerspruch ist.

  • Halten wir ein Angebot nur aus Gewohnheit aufrecht?
  • Erbringen wir eine Leistung, ohne sie zu kalkulieren?
  • Welche Rückmeldung fehlt uns für eine kluge Entscheidung?

Aus Austausch wurde gemeinsames Lernen

Die Bilder (s.unten) der vergangenen Treffen zeigen, wie diese Community gewachsen ist. Aus ersten Begegnungen wurde Vertrauen; aus dem Erfahrungsaustausch mit Präsenztreffen, Community of Practice, Signal-Gruppe und kollaborativen Workspaces entstanden gemeinsame Lernprozesse:

  • Beim 6. Treffen (2023) beschäftigte sich die Gruppe intensiv mit Künstlicher Intelligenz und gründete einen Learning Circle.
  • Beim 7. Treffen (2024) standen Geschäftsmodelle, Genuss und gemeinsame Projekte im Mittelpunkt.
  • Beim 8. Treffen (2025) zeigte sich, wie wichtig die Community für die einzelnen Unternehmerinnen geworden war.
  • Aus einer Idee entwickelte sich mit WortWein ein gemeinsames Produkt.
  • Beim 9. Treffen in Peiting ging es nun verstärkt um Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit: um Fläche und Sortiment, Arbeitszeit und Öffnungszeiten, Warenwirtschaft und Bücherschecks, Personal, Veranstaltungen und digitale Kundenkommunikation.

Dazwischen wurde gelacht, gegessen, Wein verkostet und gemeinsam die Landschaft rund um Peiting erkundet. Auch das gehört dazu. Denn Vertrauen entsteht nicht allein am Whiteboard. Aber am Whiteboard zeigt sich, was dieses Vertrauen aushält.

Austausch --> Vertrauen --> Erprobung --> gemeinsame Projekte

Nach dem 9. Treffen ist vor dem Jubiläum

2027 steht das 10. Treffen der #StarkenUnternehmerinnen an. Die pandemiebedingte Pause hat den Weg dorthin verlängert. Umso deutlicher wird, was über die Jahre entstanden ist.

Das Jubiläum bietet Anlass zum Feiern. Es ist aber auch ein guter Zeitpunkt für die nächste unbequeme Frage:

Was muss diese Community künftig leisten, damit ihre Unternehmerinnen nicht nur durchhalten, sondern ihre Unternehmen wirksam weiterentwickeln können?

Die Antwort wird nicht für alle gleich aussehen. Die Standorte, Teams und Geschäftsmodelle sind zu unterschiedlich für Patentrezepte. Genau deshalb braucht es den Austausch. Die #StarkenUnternehmerinnen kommen zusammen, um genauer hinzusehen, voneinander zu lernen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Denn ihre Buchhandlungen sind Handelsunternehmen, Veranstaltungs- und Kulturorte. Sie sind wichtig für ihre Städte und Gemeinden. Und die Frauen, die sie führen, sind keine begeisterten Amateurinnen mit einem schönen Laden. Sie sind echte Profis.

Starke Unternehmerinnen brauchen keine unkritische Zustimmung. Sie brauchen Menschen, mit denen sie klüger nachdenken können. Beim 09. Treffen dabei waren:

Andrea Deuschle - Buchhandlung im Langhaus

Angelika Wetzel - Buch Elser

Barbara Knieling - Lieblingsbuch-Laden

Carola Wehrbein - Buchhandlung & Schreibwaren Augustiniok

Karen Schad - LeseLaden Kirchheim

Katrin Schmidt - Kirchzartener Bücherstube, Gundelfinger Bücherstube

Kirsten Pieper - Akzente Buch & Wein

Lisa Mellert und Christine Krück-Mellert - Kindlers 1872

Stefanie Bertram-Kempf - Buch am Bach (Gastgeberin)

Ellen Braun - work&feelgood (Community Managerin)

Du führst eine unabhängige Buchhandlung und suchst keinen weiteren Netzwerktreff, sondern einen vertraulichen Raum für ehrlichen unternehmerischen Austausch? Dann nimm Kontakt mit uns auf.

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